Etymologie von “Mündel”

Wurzeln im (Indo-)Germanischen/Europäischen:

idg. *m-
= um-
= umfassen, umgreifen, umschließen
= halten, in der Hand halten
= haben, in der Gewalt haben
= die Hand halten (schützend) über

idg. *am-
= fassen, haben, halten

idg. *men-
= in die Hand bekommen
= umsichtig zusammenfassen
= mit den Händen fassen
= ständig mit den Händen zusammenhalten
= sich fürsorglich zuwenden
= umsichtig mit den Händen zusammenfassen
= behutsam zusammenhalten
= ständig mit den Händen zusammentun
= sich fürsorglich zuwenden
= umhüllen, behüten, beschützen
= mit darübergehaltener Hand beschützen
= behüten
= unter die Obhut nehmen
= unter die Fittiche nehmen
= das Beschützwerden eines Mündels durch seinen Vormund
= ein Mündel als Vormund beschützen
= die schützende Hand/Hände legen auf/über

idg. *men-, *man-, *mun-, *mon-
= Hand
= Schutz
= Schutzherrschaft
= Eheherrschaft

lat. manus = Hand
lat. manipulus = Bündel, Zusammengefasstes

die Manus
= Hand, Gewalt
= komplexe und umfassendes Herrschaftsrecht
= die öffentliche Hand
(= die Tote Hand)
= die Öffentlichkeit

das Munt
= Hand, schützende Hand, Schutz, Vormundschaft
= personenrechtliche Gewalt

das Mundium
= Brautgabe
= Schutzgewalt

dt. meist (n) das Mündel
dt. seltener (m) der Mündel
dt. veraltet (f) die Mündel

engl. ward (Jur)
engl. charge (person)
engl. protected person (law)
engl. orphan (person)
engl. The Mund

fr. pupille (Jur)
fr. pupille de l’Etat = Fürsorgekind
fr. pupille de la Nation = Kriegswaise

 

Synonyme:

der/die Schutzbefohlene (Person) (Familienrecht)
der/die Pflegebefohlene (Person) (Familienrecht)
der/die Pflichtbefohlene (Person)
der/die Betroffene (Person)
der/die Betreute (Person)
der/die Kuratierte (Person)
der/die Gepflegte (Person)
der/die Unmündige (Person)
der/die Entmündigte (Person)
der/die Bevormundete (Person)
der/die Besachwaltete (Person)
der/die Verwaltete (Person)
der/die Beschützte (Person)
der/die Minderjährige (Person)
der/die Verfügte (Person)
der/die Befohlene (Person)
der/die Angewiesene (Person)
der/die Minderjährige (Person)
Pupill
Orphan
Pflegekind
Pflegling
pflegebedürftige Person
Schützling
schutzbedürftige Person
Patenkind
Waise
Klient
Kunde
Auftraggeber
Mandant
Schoßhund

 

Antonyme:

Muntherr
Gerhab
Sachwalter
Verwalter
Einschreiter
Dritter
Vertreter
Stellvertreter
Statthalter
Verweser
Fürsorger
Fürsprecher
Sprecher
Obsorger
Sorger
Pfleger
Heger
Wächter
Vormund
Beistand
Beschützer
Kurator
Kriegsvogt
Vogt
Guardian

 

Begriffs-Komplex:

Mündel ist abgeleitet von
die Mund, d. i. Schutz, gesetzlich obliegende
Sorge; es scheint mit lat. manus Hand verwandt zu sein
und erst Hand, dann Gewalt bedeutet zu haben; desselben
Stammes ist natürlich Vormund; in dem Sprüch-
worte „Morgenstunde hat Gold im Munde“ findet sich
das Wort noch in der Bedeutung Hand, wenn auch
mit anderem Artikel.

Mundieren
, ins Reine (lat. mundum) schreiben
(entgegengesetzt: konzipieren);
daher: Mundierpapier, bessere (weiße) Schreibpapiersorte
(im Gegensatz zum Konzeptpapier).

Mundum – Munition.
die aber gleichwohl nur dem flachsten Unterhaltungsbedürfnis genügen können und durch häßliche Züge der niedrigsten Lebensauffassung entstellt sind. Außerdem sind noch zu erwähnen: „Federzeichnungen auf der Reise nach der Schweiz“ (Berl. 1864, 2 Bde.); „Novellen“ (das. 1865, 4 Bde.); „Geschichtsbilder“, Novellen (Jena 1868, 3 Bde.); „Reisebriefe aus Ägypten, vom Suezkanal“ (das. 1871, 2 Bde.) u. a. Ihre „Kleinen Romane“ erschienen gesammelt Altona 1860-66, 21 Bde.

Mundum
(lat.), Reinschrift (vgl. Mundieren).

Mundus vult decipi, ergo decipiatur (lat.), „Die Welt will betrogen sein, also werde sie betrogen“,
ein Ausspruch, dessen Autorschaft dem päpstlichen Legaten Caraffa (dem nachherigen Papst Paul IV.) beigelegt wird, der indessen in deutscher Fassung („die wellt die will betrogen syn“) schon in S. Brants „Narrenschiff“ vorkommt.

Manus-Ehe = sparchliche Konstruktion der männlichen Ehegewalt

Munt-Ehe
= zugleich Herrschaft und Schutz in sich vereingt

die Frau befindet sich in der Manus des Mannes
die Frau befindet sich in der Hand des Mannes

sich in der Hand eines anderen bedinden
sich in einem mehrschichtige Verhältnis einseitiger Abhängigkeit stehen

es setzt voraus, dass der Inhaber der Manus = Hand = Munt erheblich stärker ist als sein Gegenüber, das seinen eigenen Willen dem der über die Hand vermittelten Willen unterodnen muß.

Die Hand symbolisiert Stärke, Macht, Übermacht, Allmacht.
Die Hand ist so ein Mittel der Kraft undHerrschaft über die unterworfene/untergebene Person.

Aber zuglaich auch ein Symol der Geborgenheit und Mittel des Schutzes der unterworfenen Person gegen Dritte ung gegen unbestimmte Gefahren.

 

Konnotationen & Assoziationen:

chaldee minda = knowledge, wisdom, intelligence
Mend
Mende
Mendes

Mindel
Mindell
Mendel
Mandel
hebr. mende, mende = joy
Mende
Männl
Männle
Mänlein

Mandel Jewish: variant of Mendel,

but assumed by folk etymology to be from German Männl, a diminutive of Mann ‘man’.

It probably has no connection with the Yiddish vocabulary word mandel ‘almond’.

Meinhardt
Mendel
Mendl
Mendell
Mandellstraße

die Mändel
die Mandel
die Mondel
eine Handvoll gemähtes Korn/Getreide
eine Zahl von fünfzehn
Anzahl von 15 Stück
Der vierte Teil der Scheffel
eine Menge von fünfzehn Getreidegarben
Getreide- oder Strohbund
die Mandelkrähe
mandeln
nach Mandeln zählen
in Mandeln setzen
Mandeln geben

die Mandel
Mandl
eine Frucht
Mandele
Mandula
Frz. almonde
it. mandola
lat. amygdalum

Morgenstund hat Gold im *Mund:
angeblich auf altdt. munt ‚Hand‘ (vgl. Mändel) zurückgehend RA 19

jdn *mundtot machen:
munt ‚Macht‘ soll unwirksam gemacht werden RA 19
der Mund

Morgenstund ist aller Laster Anfang

Morgenstund hat Blei im Hintern

Morgenstund hat Gold im Mund
aurora habet aurum in ore

aurora musis amica
die Morgenstunde ist die Freundin der Musen
morgens studiert man gut

das Mundium
das Mundo
die Munt/Mund
das Muntrecht
das Manusrecht
Die Munt kommt von dem lateinischen manus (Hand) und ist ein zentraler Begriff im Personenrecht des Mittelalters.
Es ist der Vorläufer unseres heutigen Vormundschaftsrecht.
Der Muntherr übernahm dabei den Schutz und die Haftung des Muntlings.

Wichtigster Muntverband war das Haus (die Familie), durch das die Ehefrau und die Kinder dem Hausherrn unterworfen waren. Das Gesinde, falls vorhanden, zählte ebenfalls dazu. Töchter des Hausherrn verließen den Munt bei der Verheiratung und traten dann in den Munt des Gatten ein (Muntehe). Söhne wurden bei Gründung eines eigenen Hausstandes selbstmündig. Dieser Begriff wurde zu mündig verkürzt.

Ab dem Hochmittelalter galt allgemein das Erreichen des 21. Geburtstages als fester Termin zum Erreichen der Mündigkeit. Dies bedeutete, das auch ein erwachsener Sohn selbständig Geschäfte abschließen konnte.

Eine spezielle Form der Munt war im Königsschutz für Kleriker, Witwen und Waisen sowie Juden verankert. Des weiteren übte der Vogt ebenfalls die Munt aus.
der Muntar
der Muntherr = der Gerhab
der Vormund (DE, AT)
die Vormund (Schweiz)
der Muntling
der Mundling
der Mündling
das Mündel (Rechtsdeutsch)
der Mündel (Duden-Deutsch)
die Muntehe

das ehe(herrliche) Recht
eheliche Vormundschaft
Eheherrschaft
die Geschlechtsvormundschaft

eine stark ausgeprägte Form der Eheherrschaft des Mannes
das alte deutsche Recht,
das Pflicht, Frauen und minderjährige Kinder zu schützen
das Recht, über minderjährige Personen = Müntlinge zuverfügen
(das männliche sog. Züchtigungsrecht)
ein Schutzverhältnis
unter dem Mundium
unter dem Schutzschirm von
unter dem Schutz von
unter dem Schutzbrief von
unter der Schirmherrschaft

im alt-deutschen Recht eine Schutzgewalt im Familienrecht

Mundium
(v. altd. munt, Hand, Schutz),
im altdeutschen Recht eine Schutzgewalt,
welche namentlich im Gebiet des Familienrechts vorkam,
indem die Familienglieder in solche zerfielen,
welche das M. ausübten, demnach Schutz gewährten, was nur großjährige Männer konnten, und in
solche, welche unter dem M. standen,
wozu nicht nur Kinder, Schwache und Gebrechliche, sondern auch Weiber gehörten.
Uneheliche Kinder standen nicht unter dem M. einer Familie, sondern unter königlichem Schutz, weshalb sie auch Königskinder hießen. Aus dem M., unter welchem volljährige unverheiratete Personen weiblichen Geschlechts standen, entwickelte sich später die jetzt abgekommene Geschlechtsvormundschaft.
Mit M. bezeichnete man übrigens auch noch andre Schutzverhältnisse, wie z. B. das Verhältnis des Schutzherrn zum Hörigen (Vogtei).

Munt
Münt
Monte
Moneten
lat. mons = Berg
engl. money
engl mountain
engl mound
lat. mentha

 

Weiterführendes in den Wort- und Begriffsraum “Mund, Münd…”:

Mund ist ein menschlicher Körperteil, der in der Paarformel Mund und Hand für zusprechende Wörter steht.
Lit.: Grimm, J., Deutsche Rechtsaltertümer, Bd. 1f. 4. A. 1899, Neudruck 1922, 1989, 1994

Mündel ist der unter Vormundschaft stehende Mensch.
Lit.: Hübner

Mündelgut ist das Vermögen des -> Mündels. Es wird vom Vormund verwaltet und meist auch genutzt. Nach einem mittelalterlichen Rechtssprichwort soll M. (während der Verwaltung) weder wachsen noch schwinden. Über bewegliche Sachen (Fahrnis) darf der Vormund frei verfügen, über unbewegliche Sachen (Liegenschaften) nur mit Zustimmung des Mündels oder gar nicht. Bei Erreichung der Mündigkeit kann der Mündel ein von ihm oder vom Vormund vorgenommenes Geschäft widerrufen. Seit dem Spätmittelalter wird der Vormund zu einem der Vormundschaftsbehörde verantwortlichen Vertreter des Mündels, der für und gegen den Mündel rechtsgeschäftlich handeln kann. Zum Ausgleich dafür wird die behördliche Aufsicht verstärkt.
Lit.: Kaser §§ 23 II 2, 62 III 3; Hübner, 729; Kraut, T., Die Vormundschaft, Bd. 2 1847; Coing, H., Europäisches Privatrecht, Bd. 1f. 1985ff.

mundiburdium -> mundoburdium

Mündigkeit ist der Zustand der Eigenverantwortlichkeit. Im altrömischen Recht verschafft der Eintritt der (lat.) pubertas (F.) die volle Geschäftsfähigkeit und Deliktsfähigkeit, bis um 200 v. Chr. eine (lat.) lex (F.) Laetoria die mündigen, noch nicht 25jährigen gegen Übervorteilung zu schützen beginnt. Die M. wird dabei zunächst bei Männern von Fall zu Fall beurteilt, von der Schule der Prokulianer aber mit Vollendung des 14. Lebensjahres anerkannt, bei Frauen schon von Anfang an mit Vollendung des 12. Lebensjahres angenommen. Dem entspricht wohl im Kern auch das germanische Recht. Im Frühmittelalter werden als fester Zeitpunkt der M. die Vollendung des 12. oder 10. oder auch 14. Lebensjahres genannt. Im Laufe des Mittelalters rückt die Zahl auf 18, 20, 21, 24 oder bei Aufnahme des römischen Rechts auf 25 Lebensjahre hinauf. Volle Eigenverantwortlichkeit erlangen dabei nur die vaterlosen Waisen. Bei den übrigen tritt die M. mit Abschichtung (bzw. Eheschließung) ein. Seit dem Spätmittelalter setzen sich die Altersstufen des römischen Rechts durch. Zwischen sieben und 25 wird der Mensch im wesentlichen gleich behandelt. Deswegen wird die M. vielfach mit der Volljährigkeit gleichgesetzt und danach von dieser weitgehend verdrängt (anders Ehemündigkeit, Eidesmündigkeit).
Lit.: Kaser § 14 II 2, 58 IV 1; Köbler, DRG 88, 120, 160; Ebersold, G., Mündigkeit, 1980

mundium (lat.-afrk.) -> munt

Mündlichkeit ist die durch Sprechen und Hören im Gegensatz zu Schreiben und Lesen geprägte Kennzeichnung. Deshalb unterliegt das gesamte Recht anfangs der M. Mit der Erfindung und Verallgemeinerung der Schrift wird die M. aber zurückgedrängt. Dabei können nach dem Schwinden der Schriftkultur des Altertums im Frühmittelalter nur wenige Geistliche schreiben. Im 13. Jh. steigt die Schriftlichkeit sprunghaft an. Erst im 19. Jh. wird demgegenüber der Versuch unternommen, der M. im Verfahrensrecht bewusst wieder einen festen Platz zu sichern (z. B. Code de procédure civile 1806, österreichisches Verfahren in Ehesachen 1819, österreichisches Verfahren in summarischen Sachen 1845, Hannover 1850, Baden 1864, Württemberg 1868, österreichisches Verfahren in Rechtsstreitigkeiten mit geringem Streitwert 1873, Reichszivilprozessordnung des Deutschen Reichs 1877/1879).
Lit.: Kaser § 80 I 2, 87 I 6; Kroeschell, DRG 3; Köbler, DRG 155, 201f.; Scholz, M., Hören und Lesen, 1980

mundoburdium (lat.-afrk. [N.]) Schutzgewalt, Vormundschaft

munt (ahd. [F.], zu lat. manus [F.], Hand) ist im Mittelalter die Gewalt eines Menschen über einen anderen Menschen (z. B. Vater über Kind, Vormund über Mündel, Mann über Frau, Herr über Gesinde). Die m. über ein Kind entsteht mit der Aufnahme nach der Geburt und endet mit der Verselbständigung (Abschichtung, Verheiratung). In der Neuzeit wird die m. von der (väterlichen) Gewalt (lat. [F.] potestas) verdrängt.
Lit.: Hübner 615; Kroeschell, DRG 1; Köbler, DRG 71, 88, 160; Köbler, WAS; Kraut, T., Die Vormundschaft, Bd. 1ff. 1835ff.; Molitor, E., Zur Entwicklung der Munt, ZRG GA 64 (1944), 112; Kroeschell, K., Haus und Herrschaft, 1968

Muntat (F.) ist im Heiligen Römischen Reich (deutscher Nation) vor allem das Immunitätsgebiet (im engeren Sinn).
Lit.: Hofmann, K., Die engere Immunität, 1914; Bader, K., Studien zur Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Dorfes, Bd. 1 1957

Muntbrief (M.) Schutzurkunde

Muntehe ist im Mittelalter diejenige -> Ehe, bei der die Frau in die -> munt des Mannes fällt. Den Gegensatz bildet die muntfreie Ehe.

Muntschatz (M.) Heiratsgut

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